Hämaturie
Da sich in einem normalen Urin keine roten Blutkörperchen befinden, ist ihr auftreten dort als pathologisch anzusehen und wird als Hämaturie bezeichnet.
Abgrenzung
Die rote Farbe des Urins ist nicht immer ein sicherer Hinweis auf Hämaturie, da auch rote Farbstoffe im Urin auftreten können. Auch die meisten Teststreifen können nicht sicher zwischen einer Hämoglobinurie (Ausscheidung von freiem Hämoglobin) und Hämaturie (Ausscheidung von roten Blutzellen) unterscheiden.
Klinischer Befund
Die Hämaturie ist der führende Urin-Befund des nephritischen Syndroms, zu welchem ebenso granuläre oder Erythrozytenzylinder und Bluthochdruck gehören. Im Unterschied zum nephrotischen Syndrom sind die peripheren Ödeme und die Proteinurie geringer ausgeprägt.
Diagnosestellung
Die Diagnose wird anhand des Teststreifens oder der Mikroskopie gestellt.
Pathogenese
Eine Blutung in jedem Abschnitt des Urogenitaltraktes kann eine Hämaturie verursachen. Die Gründe sind vielfältig. Von den erblichen Nierenerkrankungen kommen glomeruläre, interstitielle und zystische Nierenerkrankungen in Betracht ebenso wie Fehlbildungen und erbliche Tumoren.
Einteilung
Wir unterscheiden entsprechend dem Ausmaß der Hämaturie die mit bloßem Auge sichtbare Makrohämaturie und die nur mikroskopisch oder biochemisch nachweisbare Mikrohämaturie.
Der Anteil dysmorpher Erythrozyten, Akanthozyten, bestimmt ob wir von einer glomerulären oder nichtglomerulären Erythrozyturie sprechen.
Weiterhin kann man eine benigne oder maligne Hämaturie unterschieden. Diese Unterscheidung betrifft die Prognose der Nierenerkrankung und kann mit Sicherheit erst nach einem langen Beobachtungsintervall vorgenommen werden. Am Anfang ist jede Hämaturie als maligne zu betrachten bis das Gegenteil bewiesen ist.